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4.22 Ist es schlimm, dass die Keuschheit mir schwerfällt?

Sexualität

Jeder ist zur Keuschheit berufen, auch verheiratete Menschen. Keuschheit betrifft deine ganze Person. Es geht darum wer du bist, wie du dein Leben lebst und wie du glücklich wirst. Das beinhaltet richtig mit den sexuellen Gefühlen umzugehen, die jeder erfährt.

Nur nach dem Stillen des eigenen Verlangens zu suchen macht dich nicht wirklich glücklich. Es wird immer etwas fehlen. Deswegen ist Sex im wesentlichen ein Ausdruck von Hingabe und Liebe. Jesus selbst hat uns ein wunderbares Beispiel des keuschen Lebens gegeben. Er lebte nicht für sich und Seine eigenen Gefühle, sondern richtete sich nach Seiner Liebe für Gott und der Menschen um Ihn herum.

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Sexuelles Verlangen gehört zum Menschsein. Keuschheit hilft uns zu entscheiden, wie man damit umgeht. Wahre Liebe, nicht die Lust, macht glücklich.

Die Weisheit der Kirche

Was erfordert die Tugend der Keuschheit?

Sie erfordert das Erlernen der Selbstbeherrschung als Ausdruck einer menschlichen Freiheit, die auf die Selbsthingabe ausgerichtet ist. Dazu bedarf es einer ganzheitlichen, ständigen Erziehung, die sich in graduellen Wachstumsschritten vollzieht. [KKKK 489]

Wie kann man eine keusche Liebe leben? Was hilft dabei?

Keusch lebt, wer frei für die Liebe und nicht ein Sklave seiner Triebe und Leidenschaften ist. Alles, was also  hilft, ein beziehungsvollerer, reiferer, freierer und liebevollerer Mensch zu werden, das hilft auch zu keuscher Liebe.

Frei für die Liebe wird man durch Selbstdisziplin, die man in jedem Lebensalter erwerben, trainieren und erhalten muss. Dabei hilft es, in jeder Lage den Geboten Gottes treu zu bleiben, Versuchungen aus dem Weg zu gehen, jede Form von Doppelleben oder Doppelmoral zu meiden und Gott zu bitten, mich vor Versuchungen zu bewahren und in der Liebe stark zu machen. Eine reine und ungeteilte Liebe leben zu können ist schließlich eine Gnade und ein wunderbares Geschenk Gottes. [Youcat 405]

Welche Mittel helfen, um die Keuschheit zu leben?

Es stehen viele Mittel zur Verfügung: die Gnade Gottes, die Hilfe der Sakramente, das Gebet, die Selbsterkenntnis, die Praxis einer den jeweiligen Situationen angepassten Askese, die Übung der sittlichen Tugenden, besonders der Tugend der Mäßigung, deren Ziel es ist, dass die Leidenschaften von der Vernunft geleitet werden. [KKKK 490]

Was ist Liebe?

Liebe ist die freie Hingabe des Herzens.

Voll Liebe sein heißt, an etwas so sehr Gefallen zu finden, dass man aus sich heraustritt und sich ihm hingibt. Ein Musiker kann sich an ein Meisterwerk hingeben. Eine Kindergärtnerin kann mit ganzem Herzen für ihre Schützlinge da sein. In jeder Freundschaft ist Liebe. Die schönste Form der Liebe auf der Erde ist jedoch die Liebe zwischen Mann und Frau, in der zwei Menschen sich für immer einander schenken. Jede menschliche Liebe ist ein Abbild der göttlichen Liebe, in der alle Liebe zu Hause ist. Liebe ist das Innerste des dreifaltigen Gottes. In Gott ist beständiger Austausch und immerwährende Hingabe. Durch das Überfließen der göttlichen Liebe nehmen wir Menschen an der ewigen Liebe Gottes teil. Je mehr der Mensch liebt, desto ähnlicher wird er Gott. Liebe soll das ganze Leben des Menschen prägen, besonders tief und zeichenhaft aber dort verwirklicht sein, wo Mann und Frau sich in der Ehe lieben und „ein Fleisch“ (Gen 2,24) werden. [Youcat 402]

Welche Hauptsünden gegen die Keuschheit gibt es?

Sünden, die entsprechend der jeweiligen Natur des Gegenstandes schwer gegen die Keuschheit verstoßen, sind: Ehebruch, Selbstbefriedigung, Unzucht, Pornographie, Prostitution, Vergewaltigung, homosexuelle Handlungen. Diese Sünden sind Ausdruck des Lasters der Unkeuschheit. Wenn sie an Minderjährigen begangen werden, wiegen solche Handlungen noch schwerer, weil sie gegen deren physische und moralische Unversehrtheit verstoßen. [KKKK 492]

Ist Selbstbefriedigung ein Verstoß gegen die Liebe?

Selbstbefriedigung ist ein Verstoß gegen die Liebe, weil sie die Erregung der Lust zum Selbstzweck macht und von der ganzheitlichen Entfaltung in der Liebe zwischen Mann und Frau abkoppelt. Deshalb ist „Sex mit sich selbst“ ein Widerspruch in sich.

Die Kirche verteufelt Selbstbefriedigung nicht, aber sie warnt davor, sie zu verharmlosen. Tatsächlich sind viele Jugendliche und Erwachsene davon gefährdet, im Konsum von geilen Bildern, Filmen und Internetangeboten zu vereinsamen, statt in einer persönlichen Beziehung Liebe zu finden. Die Einsamkeit kann in eine Sackgasse führen, wo Selbstbefriedigung zur Sucht wird. Nach dem Motto „Für Sex brauche ich niemanden; den mache ich mir selbst, wie und wann ich ihn brauche“ wird aber niemand glücklich. [Youcat 409]

Was versteht man unter „Unzucht“?

Unzucht (griech. porneia) meint ursprünglich heidnische Sexualpraktiken, so z. B. die Tempelprostitution. Später wurde der Begriff auf alle Formen sexueller Handlungen außerhalb der ehelichen Gemeinschaft übertragen. Heute wird er häufig im strafrechtlichen Sinn (Unzucht mit Minderjährigen, Abhängigen usw.) gebraucht.

Oft basiert Unzucht auf Verführung, Lüge, Gewalt, Abhängigkeit und Missbrauch. Unzucht ist also eine schwere Verfehlung gegen die Liebe; sie verletzt die Würde des Menschen und verkennt den Sinn der menschlichen Sexualität. Staaten haben die Verpflichtung insbesondere Minderjährige vor unzüchtigen Handlungen zu schützen. [Youcat 410]

Warum ist Prostitution eine Form der Unzucht?

In der Prostitution wird die „Liebe“ zur Ware und der Mensch zu einem Objekt der Lust degradiert. Deshalb ist Prostitution eine schwere Verfehlung gegen die Menschenwürde und eine schwere Sünde gegen die Liebe.

Die Profiteure der Prostitution – Menschenhändler, Zuhälter, Freier – laden sicherlich größere Schuld auf sich, als die Frauen, Männer, Kinder und Jugendlichen, die, häufig unter Zwang oder in Abhängigkeit, ihren Körper verkaufen. [Youcat 411]

Warum ist Produktion und Konsum von Pornographie eine Sünde gegen die Liebe?

Wer die Liebe missbraucht, indem er die menschliche Sexualität aus der Intimität einer verbindlich gelebten Liebe von zwei Menschen herauslöst und sie zur käuflichen Ware macht, sündigt schwer. Wer pornographische Produkte herstellt, konsumiert und kauft, verletzt die Menschenwürde und verführt andere zum Bösen.

Pornographie ist eine Abart der Prostitution, denn auch hier wird Menschen suggeriert, es gäbe „Liebe“ für Geld. Darsteller, Produzenten und Händler sind gleichermaßen an dieser schweren Verfehlung gegen die Liebe und die Menschenwürde beteiligt. Wer pornographische Medien konsumiert, sich in virtuellen Pornowelten bewegt oder an pornographischen Ereignissen teilnimmt, befindet sich im weiteren Umkreis der Prostitution und unterstützt das schmutzige Milliardengeschäft mit dem Sex. [Youcat 412]

Warum ist die Vergewaltigung eine schwere Sünde?

Wer einen anderen Menschen vergewaltigt, entwürdigt ihn ganz und gar. Er bricht mit Gewalt in die tiefste Intimität eines anderen ein und verletzt ihn im Zentrum seiner Liebesfähigkeit.

Der Vergewaltiger begeht einen Frevel am Wesen der Liebe. Zum Wesen der sexuellen Vereinigung gehört es, dass sie ausschließlich im Rahmen der Liebe frei geschenkt werden kann. So kann es sogar in einer Ehe zu Vergewaltigungen kommen. Am allerverwerflichsten ist die Vergewaltigung in sozialen, hierarchischen, beruflichen oder verwandtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnissen, etwa zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Lehrern, Erziehern, Seelsorgern und ihren Schutzbefohlenen.  [Youcat 413]

Das sagen die Kirchenväter

Unter heutigen Christen wird Zurückhaltung praktiziert, Monogamie geachtet, Keuschheit gehütet, Missetat und Sünde ausgerottet, Gerechtigkeit geübt, Recht ausgeübt, Ehrung getan, Gott anerkannt: Wahrheit regiert, Gnade erhält, Friede schirmt; das Heilige Wort leitet, Weisheit lehrt, Leben leitet, Gott regiert.

[Hl. Theophilus aus Antiochien, An Autolycus, Bk 3:15 (MG 6, 1141)]